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Nelson Mandela


Am 18. Juli 1918 wurde Nelson Rolihlahla Mandela in Mvezo, einem kleinen Ort im Distrikt Umtata, in der Transkei geboren. Sein Vater war Häuptling und Chefberater des Königs Jongintaba, eines dem Xhosa Volk zugehörigen Stammes.
Nach einem Zwist mit der Regierung wurde ihm seine Häuptlingswürde aberkannt. Rolihlahla und seine Mutter zogen daraufhin nach Qunu, einem Nachbarort, wo sie bei Freunden Unterstützung fanden.
(Rolihlahla heißt wörtlich übersetzt, am Ast eines Baumes ziehen, oder im Volksmund, Unruhestifter). An seinem ersten Schultag erhielt er von seiner Lehrerin den "zivilisierten" Namen Nelson.
Nach dem Tod seines Vaters 1930 übernahm Jongintaba Häuptling der Tembu, den väterlichen Part der Erziehung, eigentlich hatte der Onkel Mandela für die Häuptlingsnachfolge bestimmt. Ihn beeindruckten die Stammesgerichtsverhandlungen, immer stärker wurde sein Wunsch Rechtsanwalt zu werden. Weiter bestärkten ihn die Erzählungen der älteren Stammesmitglieder über die Kriege, in denen sie ihr Vaterland verteidigten, nun wollte er einen eigenen Beitrag zum Freiheitskampf seines Volkes leisten.
Mandela besuchte das Clarkebury Training College und bereitete sich später an der methodistisch geleiteten Oberschule von Healdtown auf das Abitur vor. Kurz darauf kam Mandela an das Fort Hare College in Alice in der Östlichen Kapprovinz, bis 1960 die einzige höhere Bildungseinrichtung für Schwarze in Südafrika. Er wurde als studentischer Führer vom College verwiesen, weil er einen Vorlesungsboykott organisiert hatte.


So ging er 1940 nach Johannesburg und arbeitete in einer Anwaltskanzlei. Nachts studierte er in Fernkursen Rechtswissenschaft, zuerst an der Universität of South Afrika, dann an der Universität of the Witwatersrand. Beim Busboykott von Alexandra marschierte er aus Protest gegen die Fahrpreiserhöhung mit und wurde vom Beobachter zum Teilnehmer. Mandela trat 1944 dem Afrikanischen National Congress (ANC) bei. Die Politik des ANC war zur damaliger Zeit nicht sehr erfolgreich, deshalb wurde zum Sammelbecken der Kritik an den überkommenen Formen und Inhalten der nationalen Bewegung, die Jugendliga des ANC unter Führung von Anton Lembede gegründet.


Andere Mitglieder neben Nelson Mandela waren William Nkomo, Walter Sisulu, Oliver Tambo und Ashby Mda. Die Jugendliga setzte sich das Ziel, den ANC zu einer Massenbewegung zu machen die alle Schwarzen vertreten sollte. Durch seine disziplinierte Arbeit und seine unermüdlichen Bemühungen wurde Mandela 1947 zum Sekretär der Jugendliga gewählt. Durch gewissenhafte Arbeit, Kampagnen an der Basis und ihrem Sprachrohr Inyaniso (Wahrheit) machte die Jugendliga auf sich aufmerksam. Als die National Partei im Jahre 1948 den Sieg davon trug und die Apartheidpolitik zum Dogma erklärt wurde, wurde von der Jugendliga des ANC ein Aktionsprogramm ausgearbeitet, das Streik, Boykott und zivilen Ungehorsam beinhaltete, es wurde als offizielles Programm der ANC angenommen. Erarbeitet haben dieses Programm David Bopape, Ashby Mda, Nelson Mandela, James Njongwe, Walter Sisulu und Oliver Tambo. Nun wurden ältere Führungskräfte durch junge Männer ersetzt und Walter Sisulu übernahm die Funktion des Generalsekretärs. Der als konservativ geltende Dr. A.B. Xuma verlor seine Präsidentschaft an Dr. J.S. Moroka. Das Programm der Jugendliga forderte den Erhalt der vollen Staatsbürgerschaft und die direkte parlamentarische Vertretung aller Südafrikaner. Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei auf die Verteilung von Land, das Recht auf Gewerkschaften sowie auf Bildung und Kultur gelegt. Die Schulpflicht sollte für alle Kinder eingeführt werden, ebenso die Massenbildung für Erwachsene.


Ende 1951 erarbeitete der ANC einen Fahrplan für die Kampagne zur Missachtung der Apartheidgesetze, für die Durchsetzung wurde der 26.Juni 1952 festgesetzt. Für den 6. April 1952 rief der ANC zu Massenprotesten gegen die Feierlichkeiten zum 300. Jahrestag der Ankunft der ersten europäischen Siedler am Kap auf. Mandela reiste durch das ganze Land, um den Widerstand zu organisieren. Für diese Mitwirkung in der Kampagne wurde er vor Gericht gestellt und zu neun Monaten Gefängnis und Zwangsarbeit verurteilt. Weiter wurde ihm zur Auflage gemacht, er durfte sechs Monate an keiner öffentlichen Veranstaltung mehr teilnehmen und seine Aufenthaltsgenehmigung wurde auf Johannesburg beschränkt. In dieser Zeit beendete er sein Studium und wurde als Rechtsanwalt zugelassen. 1952 eröffnete er mit seinem Freund Oliver Tambo die erste schwarze Anwaltskanzlei Südafrikas. Der entschiedene Apartheidgegner avancierte schnell zur Symbolfigur der unterdrückten schwarzen Mehrheit. Die Regierung versuchte, Mandelas Zulassung als Rechtsanwalt anzufechten, doch der Oberste Gerichtshof entschied, dass Mandela lediglich für seine schwarzen Mitbürgern tätig ist und nichts getan hat, was dafür sprechen würde, ihm seine Lizenz als Rechtsanwalt zu entziehen.


Mandela konzentrierte nun seine politische Arbeit im Widerstand gegen die Bantu-Erziehung und bei der Popularisierung der "Freedom Charter". Er wandte sich dem Kampf zu, gegen die Ausbeutung von Arbeit, den Passgesetzen und für die Zulassung an allen Universitäten. Das die Bantustan-Politik ein politischer Schwindel und wirtschaftlich absurd ist, war im schon früh klar. Daraus folgerte Mandela zu recht, dass eine Zeit geprägt von Massenausweisungen, politischer Verfolgung und polizeilichem Terror kommen würde. Während der ganzen 50er Jahre war Mandela Opfer verschiedener Formen von Unterdrückung, er wurde verhaftet und eingesperrt. Nach den Schüssen von Sharpeville 1960 wurde der ANC verboten und Mandela unter Anklage im Hochverratsprozess, in Haft gehalten. Mandela und etwa 150 andere wurden beschuldigt, im Auftrag des internationalen Kommunismus eine Verschwörung zum gewaltsamen Umsturz des südafrikanischen Staates geplant zu haben. Darauf stand die Todesstrafe. Der Hochverratsprozess brach 1961 zusammen und alle Angeklagten wurden gegen Kaution freigelassen Mandela ging in den Untergrund. Von dort aus organisierte er einen dreitägigen Generalstreik, der blutig niedergeschlagen wurde.

Durch die Brutalität des Apartheidregimes war nun die Phase des gewaltlosen Widerstands vorbei und der militärische Flügel des ANC Umkhonto we Sizwe "Speer der Nation" wurde gegründet. Mandela wurde zum Oberkommandierenden bestimmt. 1962 verließ Mandela verbotenerweise das Land.

In Äthiopien wandte er sich an die Pan African Freedom Movement of East and Central Africa um Hilfe und wurde auch in anderen Ländern wärmstens empfangen.

Während dieser Reise ahnte er schon, dass es zu gewalttätigen Ausschreitungen kommen würde, deshalb organisierte er Guerilla-Trainings für die Mitglieder des "Speer der Nation". Nach seiner Rückkehr wurde Mandela in der Nähe von Howick verhaftet.

Die Anklage lautete:

Aufruf zu einem illegalen Streik und Ausreise aus Südafrika ohne gültigen Pass, weiter beschuldigte man ihn des Terrors mit dem Ziel des Sturzes der Regierung und kommunistischer Aktivitäten.

Er wurde zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Mandela befand sich bereits in Haft, als man ihn 1964 und weitere Mitangeklagte der Sabotage bezichtigte. Im Rivonia Prozess wird er zu lebenslanger Haft verurteilt.

Seine Aussagen vor Gericht während des Prozesses sind in die Geschichte des Widerstandes gegen die Apartheid eingegangen und waren ein Ansporn für all diejenigen, die sich der Apartheid entgegengestellt haben.


Die meiste Zeit verbrachte er im Gefängnis auf Robben Island, man brachte ihn dann ins Pollsmoor Gefängnis und schließlich lebte er in einem Haus auf dem Gefängnisgelände Victor Verster in der Nähe von Paarl.

In Südafrika und im Ausland traten viele für die Freilassung des berühmtesten, politischen Gefangenen ein.
Der damalige Präsident Botha bot 1985 Mandela die Freilassung unter bestimmten Bedingungen an, als Gegenzug hätte Mandela, die Bantustan-Politik anzuerkennen sowie seine Zusage, dass er sich in der Transkei ansiedeln würde, er lehnte ab.

Bei einem zweiten Angebot verlangte man von ihm als Gegenleistung, dass er den Gewaltverzicht erklären sollte.

Seine Antwort: "Gefangene können keine Verträge abschließen. Nur freie Menschen können verhandeln.".

Der Nachfolger Bothas Präsident de Klerk änderte nun Politik und kündigte am 11 Februar 1990 die Freilassung Nelson Mandelas nach 27 Jahren Gefangenschaft an.

Sofort stürzte sich Mandela in die Arbeit, um die Ziele zu erreichen, die er sich vor vier Jahrzehnten gesetzt hatte.

Am 5.Juli 1991, bei der ersten Jahreskonferenz des ANC, wurde er zu deren Präsidenten ernannt.

Nelson Mandela hat niemals in seinen Ansichten über die Demokratie und Gleichheit der Menschen geschwankt. Trotz aller Provokationen hat er Rassismus niemals mit Rassismus beantwortet.

Sein Leben ist ein Vorbild für all diejenigen, in Südafrika und dem Rest der Welt, die unterdrückt und benachteiligt werden und für alle die Unterdrückung und Benachteiligung bekämpfen.



1993 bekam Nelson Mandela zusammen mit de Klerk den Friedensnobelpreis überreicht und wurde 1994 der erste Präsident Südafrikas der aus allgemeinen demokratischen Wahlen hervor ging.

1999 zog er sich aus dem offiziellen politischen Leben zurück, ruht und rastet nicht und verbreitet weiter seine Idee von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Photo: Archiv ANC

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