Für die Einen ist es das Sprungbrett ins Paradies, für die Anderen die wahrscheinlich kleinste Hauptstadt der Welt.

Klein aber fein

Auf der Hauptinsel Mahé, etwa 10 Kilometer vom Internationalen Flughafen entfernt in Nordwestlicher Richtung, liegt die Hauptstadt der Seychellen – Victoria. Eine Verbindungsstrasse und moderne Sportstätten wurden auf einer trockengelegten Korallenlagune angelegt.
Von den etwa 70.000 Bewohnern der Seychellen leben 90% auf Mahé und davon wiederum ca. 30.000 in Victoria. Zugegeben, gemessen an europäischen Hauptstädten gleicht der Ort eher einem Städtchen auf dem Lande. Ganz ohne Parkhäuser und ohne Neonleuchtreklame auskommend, können auch die wohlklingenden Namen der Vororte, wie beispielsweise Bel Air, St. Louis oder auch Sans Souci und die einzige Verkehrsampel der Insel, selbstverständlich mit dazugehöriger Bedienungsanleitung für Fußgänger, an diesem Eindruck nichts ändern. Dennoch fehlt es der Stadt nicht an Charme. Victoria gehört zu den kleinsten Hauptstädten der Welt, ist die einzige Stadt und selbstverständlich auch der Regierungssitz der Seychellen.

Reges Treiben rund um die Uhr

Mitten im Ortskern steht, nicht zu verfehlen, das Wahrzeichen der Stadt – der Uhrenturm (Clock Tower). Es handelt sich dabei um die Kopie des Uhrturms in der Vauxhall Bridge Road in London und ist ein Präsent aus England aus dem Jahr 1903. Das Geschenk sollte die Trennung von Mauritus und das Zeitalter der Bildung der neuen, eigenständigen Kolonie Seychellen symbolisieren.
Außer das der Turm reich verziert ist und die Zeit angibt, dient er hervorragend als Orientierungspunkt. Um ihn herum herrscht Alltags reges Treiben, Geschäfte, Straßenhändler, Boutiquen, Banken, die Post und Reisebüros befinden sich hier. Die geschäftige Betriebsamkeit lässt sich besonders gut von dem kleinen Restaurant Pirates Arms aus beobachten. Unter dem Motto sehen und gesehen werden, wird es auch von Einheimischen stark frequentiert.

Frühaufsteher kommen auf ihre Kosten

Victoria ist klein genug um zu Fuß erkundet zu werden und verleit so ein Gefühl für die Stadt und deren Menschen. Alle sehenswerten Punkte liegen nah beieinander. Enge, verschlungene Gassen führen vorbei an zumeist indischen Händlern, die alles anbieten, was ein Seychelloi zum Leben braucht. Einige Häuser erinnern unverkennbar an ihre Erbauer aus der Kolonialzeit.
Interessant ist ein Besuch des kleinen Marktes in Victoria besonders an Samstagen. Vor Sonnenaufgang, noch bevor die Läden und Büros ihre Türen öffnen, erreichen Lieferwagen, Pick-ups und Taxis, vollgeladen mit Produkten die enge Market Street. Alle nur erdenklichen Waren werden an den Ständen feilgeboten, nicht nur von den professionellen Händlern, sondern auch Familien oder Kleinbauern aus der Umgebung, versuchen ihren Überschuss an Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten zu verkaufen. Ebenso werden frische heimische Gewürze, Meereskokosnüsse und heimisches Kunsthandwerk angeboten. Mango-Bäume bieten den nötigen Schatten für einem Bummel über den Markt. Von der rempelnden, wild gestikulierenden und geräuschvollen Menschenmenge vergessen erhaschen kleine weiße Kuhreiher so manchen Leckerbissen.

Botanische Raritäten und alte Seekarten

In der Independence Avenue, ebenfalls unweit des Uhrenturms, beherbergt das Carnegie Building das Nationalmuseum der Seychellen. Außer historischen Dokumenten und Seekarten, Waffen, Schiffsmodelle zeigt es auch traditionelle Musikinstrumente und vieles mehr, zudem einige der seltenen Coco de Mer.
Botanische Raritäten und vieles mehr ist im bereits 1771 gegründeten Botanischen Garten zu betrachten. Für Freunde der Orchideen empfiehlt sich ein Besuch im Bel Air Orchid Garden. Etwa 150 unterschiedliche Orchideenarten aus aller Welt zeigen sich dort in all ihrer unvergleichlichen Schönheit.

Immer wieder Freitags

Vom Busbahnhof aus – etwa 5 Fußminuten von der Uhr entfernt- sind auch Touren zu weiter entfernt liegenden Stellen möglich. Zwischen Victoria und den ländlichen Gegenden fahren regelmäßig Busse. Im Touristenbüro in der Independence Avenue gibt es außer den Fahrplänen für Bus und Fähre, auch Wanderkarten und umfangreiches Informationsmaterial.
Nah bei der Busstation steht die Cathedral of the Immaculate Conception – die Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis. In der 1874 geweihten Kirche werden Sonntags die ehelich geborenen Kinder getauft, während der Freitag für die unehelichen Babys vorgesehen ist. Das der Pfarrer Freitags besonders viel zu tun hat, lässt sich auf die Tatsache zurückführen, dass über 70% des Nachwuchses unehelich zur Welt kommt.


Foto: Andrea / Andreaonline.de

Victoria- Minihauptstadt

mit Charme