Noch liegt Schnee und Eis auf dem Dach Afrikas

Symbol Afrikas

Nur drei Grad südlich des Äquators steigen, wie durch ein Wunder, die schneebedeckten Bergspitzen des Kilimanjaro aus den umliegenden Ebenen Tanzanias auf. Gerade in Europa wurden die frühen Berichte vom Schnee am Äquator als fantasievolle Flunkerei abgetan und die Berichterstatter mitleidig belächelt. Bezüglich des Namens Kilimanjaro gibt es viele Erklärungsversuche. Sie reichen von Berg von Größe, Berg der Karawanen bis hin zu Berg des bösen Geistes und Berg des Wassers. Ganz gleich, auf welche Erklärung die Entscheidung fällt, der Kilimanjaro hat seit dem ersten Bericht durch Ptolemäus vor 1.000 Jahren immer wieder die Forscher, Wissenschaftler, Abenteurer und Touristen gleichermassen in seinen Bann gezogen und ist mit seinen Tieren, die zu seinen Füßen leben, zum Symbol Afrikas geworden.

Aus Lava geboren

Aus den drei Vulkanen Kibo, Mawenzi und Shira bestehend, ist er nicht nur der höchste Berg Afrikas sondern mit seinen 5895 Metern zugleich der größte frei stehende Berg der Welt. Seine Existenz verdankt der relativ junge Berg der Entstehung des Great Rift Valley vor 750.000 Jahren. In vielen tausend Jahren wuchsen aus den tiefen Spalten in der Erdkruste drei Bergkegel bis vor etwa 450.000 Jahren der letzte der Vulkane, der Kibo, erlosch. Seit 1861 waren Forscher bestrebt den Kilimanjaro zu vermessen, was jedoch erst 1889 dem Leipziger Geografen Hans Ludwig Meyer und Ludwig Purtscheller, einem österreichischen Alpinisten, gelang.

Vom Weideland zum Heideland

1973 wurde das Berggebiet des Kilimanjaro zum Nationalpark erklärt. Nach der Errichtung der Zubringerwege und einiger Berghütten machen sich jährlich tausende Bergfreunde auf, um die Schneegipfel zu erobern. Der ganzjährig zu besteigende Berg hat fünf Vegetationszonen vorzuweisen. Dem entsprechend verändert sich mit zunehmender Höhe auch die Tierwelt, die sich mehr oder weniger an das Leben in der Bergwildnis angepasst hat. Jede Vegetationszone breitet sich über etwa 1.000 Höhenmeter aus, wobei die Temperatur pro 200 Meter Höhe um etwa 1°C Grad sinkt. Als Acker- und Weideland genutzt, reichen die niederen Berghänge bis auf etwa 1800 Meter. Aufgrund der Bewirtschaftung sind größere Säugetiere in diesem Bereich kaum anzutreffen, jedoch bietet er Lebensraum für eine artenreiche Vogelwelt. Entlang der südlichen Hänge des Kilimanjaro, in der Lage zwischen 1.800 und 2.800 Metern, zieht sich die wasserreiche Waldregion. Wenngleich zum Teil schwer auszumachen sin in dieser Bergwaldzone die meisten Tiere anzutreffen. Elefanten, Büffel, Leoparden und Affen teilen sich mit Duckern und vielen Vogelarten diesen Lebensraum. Aus Moor und Heidegebieten bestehend erstreckt sich die Niederalpinzone bis zu einer Höhe von 4.000 Metern. Zwar leben in dieser Region überwiegend kleine Säugetiere, doch auf dem Durchzug in tiefere Gebiete sind hin und wieder Elefanten, Antilopen sowie Wildhunde zu beobachten.

Fünf Tage bis zum Schnee

Nur widerstandsfähige Lebewesen bestehen die zwischen 4.000 und 5.000 Meter hoch liegende Alpinzone. Einige Pflanzenarten haben ein ausgeklügeltes System entwickelt die hohen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht zu überleben. Während tagsüber die Sonne das Thermometer auf bis zu 40°C Grad ansteigen lässt, kommt es in der nacht nicht selten zu Minusgraden. Nur selten sind in diesem Bereich Elenantilopen und andere Säuger zu sehen. Arktische Bedingungen herrschen in der Gipfelregion und ab 4.900 Höhenmetern wachsen auch keine Blühpflanzen mehr. Der Sauerstoffgehalt beträgt nur noch etwa die Hälfte, verglichen mit der Luft in Meeresspiegelhöhe. Es gibt so gut wie kein Oberflächenwasser, stattdessen wird die Feuchtigkeit in Form von Eis und Schnee gebunden. Mehr als 80 Prozent ihrer Fläche büßten die Gletscher seit Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Erderwärmung ein. Waren 1912 noch zirka elf Quadratkilometer von Gletschern bedeckt, so ging diese Fläche bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf etwa zweieinhalb Quadratkilometer zurück. Sollte diese Tendenz andauern, werden die Gletscher in wenigen Jahrzehnten vollständig verschwunden sein. Zahlreich wie die Theorien bezüglich des Ursprungs des Namens Kilimanjaro sind auch die Routen in die Berglandschaft. Die bekannteste Tour führt über Marangu und dauert fünf Tage.



Kilimanjaro - Berg des Wassers