Entdeckungsreise unter dem hohen Zelt des wolkenlosen, afrikanischen Himmels

Entdeckung eines Paradieses

Zu der Zeit als viele Teile Afrikas noch unentdeckt waren, fand 1913 der amerikanische Großwildjäger Stewart Edward White, auf seiner Reise in den Süden die Serengeti. Bereits für ihn, wie auch für Tausende Menschen nach ihm, wurde dieses Areal ein Symbol für das Paradies. Auf eindrucksvolle und atemberaubende Weise zeigt sich hier die unendliche Weite Afrikas und die ungeheure Artenvielfalt der afrikanischen Tierwelt. Schriftstellern, Filmemachern, Fotografen und Wissenschaftlern gelingt es immer wieder erneut den Rest der Menschheit mit immer neuen Dokumentationen, Bildern und Berichten aus diesem Gebiet ins Staunen zu versetzen.

Vom Jagdgebiet zum Weltnaturerbe

Der mit 14.760 qkm größte Nationalpark Tansanias, der Serengeti-Nationalpark, liegt in Nordtansania auf einer Höhe von 950 bis 1.850 Metern. Seit 1951 Nationalpark und seit 1981 World Heritage Site war er bereits in den frühen Jahrzehnten dieses Jahrhunderts als Jagdgebiet für die Siedler aus Kenia ein beliebtes Ziel. Bereits von der britischen Kolonialverwaltung wurde der Kern unter Schutz gestellt. Er grenzt im Süden an das Ngorongoro Conservation Area, im Osten an das Kernland der Massai, mit dem Lake Natron und dem heiligen Berg der Massai - dem Oldoinyo Lengai. Die Schutzgebiete Grumeti, Maswa und Ikorongo grenzen im Westen und das kenianische Masai Mara Game Reserve im Norden an die Serengeti. Sie gehört zweifellos zu den größten und eindrucksvollsten Wildschutzgebietenden Welt. Im Gegensatz zu den baumlosen, endlos erscheinenden Ebenen der zentralen Serengeti ist der sogenannte westliche Korridor von der Flusslandschaft des Grumeti River und der Nordosten durch sein baumbestandenes Hügelland geprägt. Auf der ständigen Suche nach geeigneten Weideflächen für ihre Rinder ziehen die Massai seit Jahrtausenden mit ihrem Vieh über die riesigen Flächen, denen sie den Namen Siringitu - die endlose Ebene - gaben.

Handelsverbot lässt graue Riesen aufatmen

Die um 1900 in Afrika grassierende Rinderpest und der unkontrollierte Abschuss hatten zur Folge, dass die Wildtiere fast verschwunden waren. Erst nach dem Wegfall der Viehseuche ab den 60er Jahren hat der drastische Zuwachs der Huftiere und damit auch der Raubtiere, wie Löwen, Leoparden, Geparden und Hyänen, stattgefunden. Die Regierung versuchte in den frühen 1960er Jahren zu verhindern, was Tausende von Tieren bereits seit Tausenden von Jahren getan hatten und zwar die Gnus mit Hilfe eines langen Stacheldrahtzauns davon abzuhalten, auf ihrer Wanderung in das Ngorongoro-Gebiet einzudringen. Wenig beeindruckt von diesen Maßnahmen trampelten die Herden die Zäune einfach nieder und zogen ihrer Wege. Eine Verbesserung zur ungehinderten Wanderung ist nicht zuletzt des unermüdlichen Einsatzes von Dr. B.Grzimek zu verdanken. Die Elefantenpopulation des Nationalparks wurde durch die illegale Jagd nach Elfenbein so sehr dezimiert, dass nur noch einige hundert Tiere übrig blieben. Das im Jahr 1989 ausgesprochene internationale Handelsverbot für Elfenbein sorgte für Besserung.

Millionen Wanderer

Mit Ausnahme der Nashörner sind heute in der Serengeti fast sämtliche Großtierarten Ostafrikas in großen Populationen beheimatet, rund 2.5 Millionen Säugetiere mit über 130 Arten, etwa 530 Vogelarten und ein unermesslicher Reichtum an Nichtsäugetierarten. Besonders beeindruckend sind die weiträumigen Migrationen der riesigen Herden von Gnus, Zebras und Thomsongazellen. Obwohl die Weißschwanzgnus einer afrikanischen Legende von Gott aus übriggebliebenen Ersatzteilen zusammengebaut wurden, sind diese Tiere hervorragend an ein Nomadenleben angepasst. Die Regenzeit von Dezember bis Juni verbringen in der vulkanischen Ebene des Ngorongoro-Kraters wo sie auch ihre Kälber zur Welt bringen. Wenn im Juni die Ebene austrocknet, wandern sie auf ihrer Suche nach frischen Weidegründen und Regen weiter, durch die Serengeti, Richtung Westen zum Victoriasee. Mit dem Ende der Regenfälle enden, wandern die Herden nach Norden zur Maasai Mara, wo die zerklüfteten Felsen des Rift-Valleys die letzten Niederschläge, selbst inmitten der Trockenzeit, auffangen.

Aus der Luft gesehen

Die abwechslungsreiche Topographie bietet immer wieder eine uneingeschränkte Weitsicht in die umliegenden Ebenen. In der Serengeti ist es möglich sich viele Tage lang aufhalten ohne je das Gefühl zu haben, das Erlebte wiederhole sich. Abgesehen von der Herdenwanderung hält sie noch zahlreiche weitere Glanzlichter bereit. So sind auf Pirschfahrten mit etwas Glück z.B. die äußerst seltenen Schuppentiere, Honigdachse, Topi Herden, Erdwölfe und vieles mehr zu entdecken. Zahlreiche Safari Lodgen und Camps bieten Unterkünfte in unterschiedlichen Kategorien. Der Serengeti Nationalpark ist sowohl mit dem Flugzeug, als auch von Arusha aus mit dem Auto zu erreichen. Bei Fahrten mit dem Auto muss das Ngorongoro Schutzgebiet durchfahren werden. Privat ist eine Fahrt von Kenia aus nicht möglich. Zur Zeit ist die Serengeti der einzige Park, in dem Fahrten mit einem Heißluftballon möglich sind. Diese sind jedoch stark limitiert, so dass sie die sonst ungestörte Szenerie nicht beeinträchtigen.

Foto: Nationalpark Serengeti/Künkel, Koch & Wolf



Serengeti - die endlose Ebene