Die unglaubliche Geschichte des Flusspferdes Huberta

Unglaublich aber wahr

Niemand weiß was das Flusspferd dazu brachte, seine schlammige Lagune in Zululand zu verlassen und die große, beschwerliche Wanderung südwärts anzutreten. Mit dem „Reisebeginn“ im November 1928 startete eines der entzückendsten Tierabenteuer aller Zeiten. In den darauf folgenden drei Jahren schlenderte das Flusspferd 1600 Kilometer durch Südafrika. Es überquerte Straßen und Schienen, trampelte über Golfplätze, mampfte sich seinen Weg durch Felder und Gärten, tauchte in Städten und Großstädten auf. Jede Drehung und Wendung der Route zog eine ständig anwachsende Anzahl von Presseleuten, Fotografen, Großwildjägern und das Interesse Tausender gewöhnlicher Menschen an. Einige Tage nach dem Start machten Gerüchte die Runde, ein Flusspferd sei auf der Wanderung entlang Natals Küste.

Aus einem Gerücht wird ein Medienereignis

Am 22. November fand eine Gruppe Arbeiter das Tier im Zuckerrohrfeld, als es dort einen Snack zu sich nahm. Diese Geschichte ging durch alle Zeitungen in ganz Südafrika, und das war der Zeitpunkt an dem das Flusspferd seinen Namen erhielt. Tatsache war jedoch, dass die Zeitungen falsch lagen, sie nannten es Hubert das Hippo. Niemand hatte bemerkt das Hubert in Wirklichkeit eine Lady war. In der Zwischenzeit hatte Huberta Zuflucht in einem Pool, in der Nähe der Natal-Küsten-Bahn, gesucht. Busunternehmen boten daraufhin sofort „Huberta- Beobachtungsfahrten“ an. Züge wurden langsamer, wenn sie an ihr vorbei fuhren, der Lokführer ließ die Sirene ertönen und die Fahrgäste warfen ihr Früchte zu. Es hatte den Anschein das Huberta in ein gutes Leben gewandert sei und sie begann allmählich dick und rund zu werden. Aber sie wog sich in falscher Sicherheit. Im Johannesburger Zoo gab es ein Flusspferd, das sich nach Gesellschaft sehnte. Eine Expedition, in Begleitung eines Kamerateams, machte sich auf Huberta einzufangen. Sie jedoch rannte von einem Fluss in den Anderen, gefolgt von Zooleuten, Kamerateam und Presse, die nun ihr blaues Wunder erlebten. Berichten zu Folge landeten einige Verfolger in Schlammlöcher und so mancher unerschrockene Kameramann suchte Zuflucht auf einem Baum. Das Volk begann das abenteuerlustige Flusspferd zu lieben und Huberta wurde zur nationalen „Heldin“. Das Natal-Provinz-Concil ernannte sie zum königlichen Wild und die Zooleute wurden aufgefordert sie in Ruhe zu lassen.

Schlafend vor Durban

Eines Nachts fand ein LKW-Fahrer Huberta schlafend, sieben Kilometer von Durban entfernt, auf der Straße liegen. Vorsichtig berührte er sie mit der Stoßstange, sie stand auf und verließ die Straße. Den Rest der Nacht hat sie im Busch verbracht und am nächsten Morgen warteten Durbans Bürger sehr gespannt auf sie, es war Urlaubszeit. War Huberta etwa nur gekommen um Spaß zu haben? Das Flusspferd erreichte die Lagune an der Mündung des Mhlanga und „wohnte“ hier bis zum Ende der Saison. Gefüttert mit Zuckerrohr und „Geschenken“ der Besucher tollte sie ausgelassen in den Wellen, wanderte am Strand entlang und entzückte eine große Anzahl an Menschen durch ihre Anwesenheit. Anfang März begab sie sich dann wieder auf Wanderschaft. Eines Morgens fand man ihre gigantischen Fußstapfen auf dem Grün des Beechwood Golfplatzes. Einige Tage danach konnte man in einem Neubaugebiet Hippospuren ausmachen und erzählte sich Huberta sei auf der Suche nach einem geeigneten Haus. Sie könne jedoch keines finden, da die Badezimmer zu klein seien. Nach einem kurzen Stop in Pinetown platzte sie in eine Party im Durban Country Club. Sie passierte die Autos und lief geradewegs auf die Terrasse des Clubs. In der aufkommenden Verwirrung änderte sie ihre Richtung und überquerte den Golfplatz, drückte einige Zäune nieder und marschierte ohne Umschweife in Durbans Zentrum. Ein Polizist fand sie im Eingang einer Apotheke in der Weststreet. Begleitet von einer großen Menschenmenge zog sie sich in den vergleichsweise friedlichen Umgeni Fluss zurück

Nachdem Zwischenstopp geht’s weiter

Huberta setzte ihre Reise entlang Natals Ferienküste weiter fort. Wo immer sie auftauchte, wurde sie gefüttert und verhätschelt. In Anerly, einem überwiegend von Indern bewohnten Ort, wurde sie geradezu vergöttert. Trommeln wurden geschlagen, Weihrauch entzündet und eine Ziege ihr zu Ehren geopfert. Die Zulus glaubten Huberta hätte gute Verbindungen zu dem verstorbenen großen Häuptling Shaka, da sie viel Zeit damit verbrachte in den ihnen „heiligen“ Gewässern zu baden. Als sie die Wild Coast erreichte, übersahen die Pondos großmütig, dass Huberta ihre Maisernte zerstörte. Sie waren der Meinung, sie sei die Reinkarnation eines legendären Hexendoktors. Im März 1931 kam Huberta in East London an und wurde schlafend auf den Schienen der Hauptbahnstrecke entdeckt. Der Lokführer versuchte sie durch die Signalhupe zu wecken, musste sie dann aber vorsichtig mit der Lokomotive schieben, um sie dazu zu bringen die Strecke frei zu machen.

Die Gier nach der Trophäe bedeutet das Ende

Während die Südafrikaner den Wagemut des Flusspferdes bewunderten, nahm Hubertas Glückssträhne ein jähes Ende. Ende April 1931 wurde sie, während eines Bades im Keiskamma Fluss, von drei Jägern erschossen. Das war eine nationale Tragödie und ihre Killer wurden aufgespürt. Sie wurden der Ignoranz gegenüber des Tieres und ins Besondere der Tötung königlichen Wildes beschuldigt und jeder zu 25 Rand Strafe verurteilt. In King Williams Town Museum ist Huberta das Flusspferd, das in die Herzen unzähliger Südafrikaner marschierte, heute noch zu bestaunen.

 

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