Nongquawuse

Die Prophezeiung eines Mädchens und ihre verheerenden Folgen für das Xhosa Volk


Ort des Donners

Unmittelbar vor der Küste von Coffee Bay in der Eastern Cape Provinz steht ein markanter Felsen, in dessen Zentrum Wellen und Wind ein Loch gegraben haben. Angesichts der Auswirkung, die das Wasser hervorruft wenn es sich durch die 20 Meter lange Aushöhlung drückt, gaben portugiesische Seefahrer dem Naturschauspiel den Namen Penido das Fontes – Fels der Fontänen. Die Xhosa nennen ihn izi Khaleni, was soviel bedeutet wie Ort des Donners. Je nach Jahreszeit und dem Wasserstand der Gezeiten, bei Flut, rufen die mit voller Kraft an das Kliff und durch die Öffnung klatschenden Wellen ein lautes Donnern hervor, dass im ganzen Tag zu vernehmen ist. Eben jener riesige, auffällig geformte Stein ist für das Volk der Xhosa zu einem Symbol einer großen historischen Tragödie geworden, das unter dem großen Rindertöten in die Geschichte eingehen sollte.

Kampf um Land und Würde

Seit 1779 war es zwischen den Buren und den Xhosa, im Streit um Acker und Weideland, immer wieder zu Grenzkriegen gekommen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts drangen zunehmend weiße Siedler in das Land der Xhosa vor und ließen sich dort nieder. Die Grenzen der Kapkolonie wurden den „Bedürfnissen“ der Weißen entsprechend festgelegt. 1858 hatten die Xhosa zwar noch das Recht, nach eigenen Gesetzen zu regieren, aber der Gouverneur Sir George Grey versuchte, ihnen dieses mit allen Mitteln wegzunehmen. Sein Ziel war die Vergrößerung der Kapkolonie für die britische Krone, durch die Unterwerfung der Xhosa. Außer dem ohnehin aussichtslosen Kampf des Volkes um Land und Würde kam noch erschwerend hinzu, dass ihr Vieh von Seuchen und ihr Mais von Insekten heimgesucht wurde. Verzweifelt suchte es nach Lösungen aus dieser aussichtslosen Lage und nahm jede sich bietende Möglichkeit wahr, die Hoffnung auf ein normales Leben versprach.

Die Prophezeiung

Nongquawuse, ein etwa 15-jähriges Mädchen, deren Eltern von den Briten im Krieg getötet wurden, lebte zusammen mit ihrem Onkel Mhlakaza, der Berater des Häuptlings des Gcaleka Stammes war, in der Nähe des Gxara Flusses. Eines Tages als das Mädchen an den Fluss ging um Wasser zu holen, erschienen ihr fremdartige Wesen aus dem Wasser. Sie sprachen zu dem Mädchen: „Wir sind eure Vorfahren, die euch helfen wollen. Trennt euch von all eurem Vieh und Mais und wir werden von den Toten mit riesigen Herden besseren Viehs zurückkehren. Die Milch wird reichlich sein wie Wasser und eure Ernte wird mächtig sein. Es wird ein besseres Leben und Glück für alle geben. An dem Tag, an dem zwei Sonnen am Himmel aufgehen, werden wir triumphierend auferstehen und die Weißen im großen Sturm ins Meer treiben. Geh und erzähl deinem Onkel Mhlakaza, dass wir euch helfen können.“ Durch das „Loch in der Wand“, werde die Hilfe, in Form von Soldaten mit den wiedergeborenen Seelen großer, verstorbener Xhosa Krieger, kommen und die verhassten Briten besiegen. Nongquawuse erzählte, wie ihr aufgetragen, alles ihrem Onkel, der es an die Häuptlinge weitergab.

Kadaverberge und brennende Felder

Einige glaubten es, andere jedoch waren skeptisch. Für über ein Jahr lebten die Xhosa mit sich selbst im Zwiespalt. Während einige bedingungslos an die Vorhersage glaubten und unverzüglich ihr Vieh töteten und die Ernte vernichteten, ließen die Skeptiker bis zuletzt einige Tiere leben. Die meisten Häuptlinge befahlen auch das Vieh zu töten. Mit riesigen Festen wurde den Ahnen das Vieh geopfert. Berge von Kadavern erfüllten die Luft mit Gestank. Die Rauchwolken der verbrennenden Maisfelder verdunkelten die Sonne. Bald hatten die Xhosa keinerlei Nahrung mehr.

Das entsetzliche Ende

Der 18. Februar 1857, der Tag an dem sich die Prophezeiung erfüllen sollte, kam und ging ohne das etwas geschah. Bis dahin waren etwa 150.000 Tiere getötet und die Ernten verbrannt worden.
Eine schreckliche Hungersnot war die Folge und die Population der Xhosa dezimierte sich um zwei Drittel. Viele Familien starben und ein Großteil der Überlebenden war gezwungen, bei den Briten für Lebensmittel zu arbeiten. Sir George Grey besiedelte nun mit Einwanderungsplänen das Land der Xhosa mit Weißen. Für eine kurze Zeit war es für ihn der Beweis, das ein "harmonisches Nebeneinander" beider Völker möglich war. Nach und nach wurden die Xhosa-Siedlungsgebiete Ciskei und Transkei annektiert.
Nongquawuse wurde verhaftet und in die Verbannung zunächst nach Robben Island gebracht. Den Rest ihres Lebens verbrachte sie auf der Glen Shaw Farm am Eastern Cape, wo sie 1898 verstarb.

Photo:HADIT, SATours

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