Die Regenkönigin - Mystik und Zauber

Scharlatan oder Volksheldin?

Sie soll die Gabe besessen haben, Regen zu machen.

Sie war unsterblich. Sie wurde zu einer Legende –

Südafrikas "Rain Queen".

Das Leben vieler Afrikaner ist beseelt von guten und bösen Geistern, Kobolden und Dämonen. Sie sollen verantwortlich sein für den Ursprung jedes Geschehens. Dass sich jedoch dieser Glaube auf eine tatsächlich existierende Person bezieht, ist eher selten. Ebenso bemerkenswert ist, dass diese Person eine Frau ist: Modjadji war Oberhaupt des Stammes der Lobedu und berühmt als Regenkönigin. Ihr wurde nachgesagt, dass sie die Macht des Regenmachens besaß.

Die Geschichte der Regenköniginnen geht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Überlieferungen berichten von der Prinzessin Dzugundini im Gebiet der Krunga, der Bewohner des legendären Monomotapa Königreichs, die nach einer Beziehung zu ihrem Bruder ein Kind bekam. Mit einer Handvoll loyaler Anhänger und der stammeseigenen "Regenmachmedizin" entfloh sie vor dem Zorn ihres Vaters. Für 200 Jahre waren ihre Nachkommen auf der Flucht. Etwa um 1800 fanden sie schließlich eine Bleibe im Daja Forest, im Tal des Molototsie Rivers in der heutigen "Northern Province". Ihr Stammesführer war zu dieser Zeit Mugodo. In der Dunkelheit des Daja Waldes hatten ihm die Geister seinen Thronfall durch die Hand seiner Söhne prophezeit. Er töte daraufhin all seine Söhne und erzählte seiner Tochter Modjadji, der Geist der Vorfahren habe entschieden, dass sie ihn heiraten solle, um nach seinem Tod Königin zu werden und eine weibliche Dynastie zu gründen.

Eine matrilineare Monarchie

Mugodo baute in aller Heimlichkeit für sie ein kleines Dorf tief im Wald, wo seine Tochter einen Sohn zur Welt brachte, der kurz nach seiner Geburt getötet wurde. Ihr zweites Kind war eine Tochter und damit nahm das weibliche Herrschergeschlecht seinen Anfang. Als Mugodo starb, wurde Modjadji Königin, lebte jedoch weiterhin in Verborgenheit und beschäftigte sich mit der Magie des Regenmachens, die von ihren Vorfahren seit vielen hundert Jahren praktiziert wurde.

Ihr Lebensstil führte zu aller Art von Mythen, Legenden und Phantasien um ihre Person. Und ihr Ruf als Regenmacherin verbreitete sich überall in Südafrika. Das Gebiet in der Northern Province wurde bekannt als lo Bedu – "Das Land der Gabe" – und ihr Volk unter dem Namen Lobedu. Nach traditionellem Brauch heiratete die Königin, wie die Könige der anderen afrikanischen Stämme, junge Frauen. Diese Vermählungen hatten jedoch keinerlei sexuelle Bewandtnis, sondern dienten lediglich dazu, ihr Territorium zu vergrößern.

Das Volk der Lobedu wurde geachtet und blieb von den Feindseligkeiten sich bekriegender Stämme verschont. Selbst weiße Siedler rüttelten nicht an ihrer Autorität. Botschafter und Herrscher, wie beispielsweise der Zulukönig Shaka, überbrachten Geschenke mit der Bitte um kostbaren Regen. Doch niemand bekam die Regenkönigin zu Gesicht, ein Umstand, der zu ihrem Mythos beitrug. Die Ur-Großmutter der letzten Regenkönigin Modjadji II. soll dem britischen Abenteuer-Schriftsteller Rider Haggard als Modell für seine berühmte Novelle "She Who must be obeyed" gedient haben.

Medienstar, Sterbliche, Mythos

Im Alter von 46 Jahren bestieg Modjadji V. 1982 den Thron der Regenkönigin. Alljährlich am 22. Oktober fand die "Rainmaking"-Zeremonie statt. Sie goss Wasser auf einen Schrein in ihrem Palast und beschwor die Geister der Ahnen, den Regen zu schicken. Bier wurde gebraut und auf den Boden geschüttet und während sie die traditionellen Trommeln schlug, forderte sie ihre Leute auf, zu tanzen, bis der Regen kam. Cycaden (Palmfarne) sollen ein erheblicher Bestandteil dieses Rituals gewesen sein.

Im März 1996 bewilligte sie den Medien erstmalig Interviews. Für eine verheerende dreijährige Dürre machte sie die Verärgerung der Vorfahren über die Zerstörung des traditionellen Palastes der Lobedu verantwortlich. Sie ließ einen neuen Palast errichten, wobei sie jeden einzelnen Stein berührte. Nach seiner Fertigstellung setzte der langersehnte Regen ein.

Das Wetterbüro in Pretoria belohnte sie mit Anerkennung für ihre Beiträge zum wertvollen Regen. Nelson Mandela sicherte ihr seinerzeit zu, dass auch seine Regierung ihre traditionelle Autorität als Stammesoberhaupt nicht verwerfen werde. Modjadji V. bat daraufhin um eine Straße zu der Höhle, in der sie das Regenritual vollzog.

Unter den vielen Mythen, die sich um die Regenkönigin ranken, war auch der, dass sie unsterblich sei.

Bis zum 28. Juni 2001:

Als sie starb, wurden die nördlichen Teile Südafrikas, inmitten der Trockenzeit, von schweren Regenfällen erfasst.

Das Geheimnis des Regenmachens, das nur von der Mutter auf die Tochter weitergegeben werden kann, nahm sie mit ins Grab.

Modjadjis Tochter Makheala verstarb drei Tage vor ihr.

Damit zerbrach eine über 200 Jahre alte "königliche" Linie – der Posten der Regenmacherin bleibt vakant.

Bilder: South Africa Museum Cape Town

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